Samstag, 18. Juli 2015

Eine Rose ist eine Rose ist eine...

Rose ist eine Rose. Sie ist meine Rose. (Gertrude Stein)

Heute will ich dir zu Liebe Rosen fühlen, Rosen fühlen dir zu Liebe, dir zu Liebe heute lange lange nicht gefühlte Rosen fühlen: Rosen.

Alle Schalen sind gefüllt; sie liegen 
in sich selber, jede hundert Male, 
wie von Talen angefüllte Tale 
liegen sie in sich und überwiegen.

So unsäglich wie die Nacht 
überwiegen sie den Hingegebnen, 
wie die Sterne über Ebnen 
überstürzen sie mit Pracht. 
Rosennacht, Rosennacht.

Nacht aus Rosen, Nacht aus vielen vielen 
hellen Rosen, helle Nacht aus Rosen, 
Schlaf der tausend Rosenaugenlider: 
heller Rosen-Schlaf, ich bin dein Schläfer.

Heller Schläfer deiner Düfte; tiefer 
Schläfer deiner kühlen Innigkeiten. 
Wie ich mich dir schwindend überliefer 
hast du jetzt mein Wesen zu bestreiten;

sei mein Schicksal aufgelöst 
in das unbegreifliche Beruhen, 
und der Trieb, sich auf zu tun, 
wirke, der sich nirgends stößt.

Rosenraum, geboren in den Rosen, 
in den Rosen heimlich auferzogen, 
und aus offnen Rosen zugegeben 
groß wie Herzraum: dass wir auch nach draußen 
fühlen dürfen in dem Raum der Rosen.

Rilke, Rainer Maria (1875-1926)/ Rilke Projekt: Rosennacht


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